‚Infektionskrankheiten‘ und ‚Medizin für Migranten‘ Schwerpunktthemen bei Jahrestagung der SGKJ

 

Als Mitglied im Vorstand der SGKJ treten Sie in diesem Jahr außerdem als Tagungspräsident auf. Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Großevent?

Wohl kein anderes Fach in der Humanmedizin weist eine derartige inhaltliche Breite wie die Pädiatrie auf. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen eine große Zahl an medizinischem Fachpersonal, die in tragender Weise an der Betreuung von kranken Kindern und Jugendlichen beteiligt sind, an einen Tisch zu bringen – es gilt Erfahrungen auszutauschen und Neuigkeiten einzufangen. Der Süddeutsche Kongress für Kinder- und Jugendmedizin versteht sich als interdisziplinäres Forum, daher haben wir uns auch bemüht, die beiden Kongresstage mit einem hochinteressanten und abwechslungsreichen Programm zu gestalten – die Themen richten sich dabei ausdrücklich auch an Pflegende und medizinische Fachangestellte. Neben diversen Fachvorträgen und Seminaren können die Teilnehmer auch an praxisorientierten Workshops und Podiumsdiskussionen teilnehmen oder eines der zahlreichen Impulsreferate verfolgen.

Besonders froh sind wir über die langjährige Kooperation mit dem „Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte“, der uns bei der Organisation tatkräftig zur Seite steht.

Der Süddeutsche Kongress für Kinder und Jugendmedizin am 20. und 21. Mai 2016 in Bad Nauheim steht in diesem Jahr unter dem Motto „Infektionen – was gibt es Neues“. Vielleicht können Sie uns einige Einblicke in das Programm gewähren?

Infektionskrankheiten sind weltweit die zweithäufigste Todesursache, nur übertroffen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei ist eine deutliche Differenz hinsichtlich der Todesfälle durch Infektionskrankheiten zwischen nicht industrialisierten Ländern und Industriestaaten zu erkennen. In Industriestaaten entfallen etwa 2 % der Todesfälle auf Infektionskrankheiten - die deutlich geringere Sterblichkeit ist Folge der besseren Lebensverhältnisse, insbesondere im Hinblick auf Ernährung und Hygiene. Sehr wesentlich haben Impfungen und der Einsatz von Antibiotika dazu beigetragen, dass in den Industriestaaten Infektionskrankheiten als Todesursache deutlich zurückgedrängt werden konnten. Betrachtet man die Infektionskrankheiten im Einzelnen, so spielen Atemwegsinfektionen und gastrointestinale Infektionen eine große Rolle, in Industriestaaten sind es jedoch in erster Linie Blutvergiftungen, die für die Todesfälle verantwortlich sind. Aus diesem Grunde sind während der Tagung den Atemwegsinfektionen und Impfungen einzelne Sitzungen gewidmet.

In den letzten Jahren sind eine Reihe von Impfungen neu eingeführt worden, wie die Rotavirus-Impfung, die Meningokokken-Impfung oder auch die HPV-Impfung. Allein mit der Einführung einer Impfung sind jedoch nicht alle Fragen beantwortet: Es gilt Impfnebenwirkungen sowie Impfungen bei besonderen Patientengruppen zu betrachten. Auch diese Fragen werden mit einzelnen Beiträgen während der Tagung bearbeitet.

Vergessen geglaubte Infektionskrankheiten, wie die Tuberkulose, Brucellose und Lepra gewinnen einen ganz neuen Stellenwert durch die erheblichen Flüchtlingsströme. Dem Thema „Medizin für Migranten“ ist daher ebenfalls eine eigene Sitzung gewidmet. In dieser geht es auch um Herausforderungen und Lösungen in der klinischen Praxis, sinnvolle infektiologische Diagnostik bei Flüchtlingen und um die Frage, an welche Erkrankungen bei Flüchtlingen in besonderer Weise zu Denken sind.

Hört sich nach einem höchst interessanten Kongress an, der aktuelle medizinische Fragestellungen aufgreift. Gibt es weitere Themenschwerpunkte, auf die sich die Besucher einstellen dürfen?

Neben dem Thema Infektionskrankheiten spielen drei weitere Themen eine besondere Rolle während der Tagung: Unter anderem liegt uns der Bereich ‚Ethik und Ökonomie‘ sehr am Herzen: Die Ökonomisierung der Medizin, eine Verknappung der Ressourcen bei gleichzeitig steigendem Ansprüchen an das „Medizinische System“ (älter werdende Bevölkerung, hohe Ansprüche an der Behandlungsqualität auch im Grenzbereich zur Lebensfähigkeit, chronisch-kranke Kinder und Jugendliche) werfen eine Reihe von Fragen auf, die eine gründliche Diskussion zu Ethik und Ökonomie rechtfertigen. Bei einer Podiumsdiskussion werden gegensätzliche Positionen dargestellt und diskutiert.

Auch den Themenschwerpunkt ‚Seltene Krankheiten‘ greifen wir auf. In Europa spricht man von einer „seltenen Erkrankung“, wenn ein Betroffener unter 2.000 Menschen diagnostiziert wird. So gesehen ist eine einzelne seltene Erkrankung tatsächlich „selten“. Es ist jedoch eine Vielzahl von seltenen Erkrankungen bekannt – mehr als 60.000 – so dass zwischen acht und zehn Prozent der Weltbevölkerung an einer seltenen Erkrankung leiden. Allein in Deutschland sind es geschätzt rund vier Millionen Betroffene. Grund genug sich den seltenen Erkrankungen auch bei Kindern und Jugendlichen zu widmen. Gerade bei seltenen Erkrankungen spielen Netzwerke und Therapieinnovation eine Rolle. Die Speicherkrankheiten und die Tuberöse Sklerose sind hierfür Beispiele und werden exemplarisch während der Tagung hervorgehoben.

Zuletzt möchte ich außerdem auf die ‚Kindliche Entwicklung‘ verweisen, hierfür ist die seelische Gesundheit von Kindern von besonderer Bedeutung. Aus diesem Grund findet eine separate Sitzung zu diesem Thema statt, die sich mit seelischen Störungen bei Kleinkindern, Regulationsstörungen und dem Autismus-Spektrum im Vorschulalter beschäftigt. Insbesondere Kleinkinder sind in der Vergangenheit nicht optimal berücksichtigt worden. Mit einer ganzen Reihe an Beiträgen wird der Bogen zwischen kinder- und jugendpsychiatrischen sowie kinderneurologischen Krankheitsbildern im Hinblick auf Diagnostik und Therapie geschlagen. Daneben wird Kindern in Problemfamilien, der Bedeutung von Medien sowie der bedrohten kindlichen Entwicklung durch umschriebene Entwicklungsstörungen oder Besonderheiten durch Auswirkungen der mütterlichen, postpartalen Depressionen auf die frühkindliche Entwicklung und Reifungskrisen bei Jugendlichen ausreichend Raum gewidmet.

Da die Pädiatrie ein sehr breites Fach ist, werden natürlich mit eingereichten ‚freien‘ Vorträgen sowie sogenannten Posterbeiträgen viele weitere Themen besprochen, die sich im Blickpunkt von Kinder- und Jugendärzten finden.

Herzlichen Dank an Prof. Dr. Markus Knuf, für das Interview und die zahlreichen interessanten Einblicke in das Programm der bevorstehenden Jahrestagung der SGKJ in Bad Nauheim. Sämtliches medizinisches Pflegepersonal sowie Fachangestellte und Ärzte dürfen sich angesprochen fühlen und sind herzlich eingeladen, die Tagung am 20. Und 21. Mai zu verfolgen. Anmelden können Sie sich online unter: www.sgkj-tagung.de.

 

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